
1987 wurde der Hadrian’s Wall von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt[1], doch was steckt hinter der unscheinbaren Steinmauer in Carlisle?
Etwa 43 n.Chr. begannen die Römer, Britannien einzunehmen.[2] Das Land wurde von den Soldaten konfisziert und ohne Absprache mit den Anwohnern eine römische Infrastruktur durchgesetzt. Neue Straßen und Festungen entstanden. Unter anderem wurde auch der Stanegate errichtet, eine Militärstraße, welche die römischen Festungen in Carlisle, Vindolanda und Corbridge verband. Viel ist nicht über die Beziehung zwischen Soldaten und Anwohnern bekannt, es ist aber wahrscheinlich, dass Gewalt an der Tagesordnung stand, da die Römer ihren Willen mit allen Mitteln durchsetzen wollten.[3]
Der Wall reichte von Wallsend bis Bowness-on-Solway und war ganze 113 Kilometer lang (80 römische Meilen). Er existierte für beinahe 300 Jahre.[4]
Der Wall ist zwar nach Hadrian benannt, allerdings gibt es auch viele antike Autoren, die den Wall einem gewissen Septimus Severus zuschreiben.[5] Eine Biographie, die 200 Jahre nach Hadrians Tod geschrieben wurde, besagt jedoch, dass Hadrian der erste gewesen sei, der einen 80 Meilen langen Wall gebaut habe, um die Barbaren von den Römern zu trennen. Des Weiteren wurde 2003 eine kleine Kupfer-Schale gefunden, die „Ilam pan“, dessen Inschrift besagt, dass der Wall bereits damals „Vallum Aelii“ gennant wurde. Aelius war der Familienname Hadrians.[6]
D. Glendinning hält diese Inschrift jedoch für Unglaubwürdig und argumentiert damit, dass die Buchstaben sehr amateurhaft wirken und vermutet, es handle sich dabei eher um einen Scherz, als um eine echte Quelle.[7] Wer genau also für den Wall verantwortlich ist, bleibt unklar, auch wenn Hadrian heute als die wahrscheinlichste Option angesehen wird, auch wegen seiner ausgeprägten Konzentration auf die Reichsverteidigung.
Vermutlich begann der Bau des Wall etwa im Jahre 122 n.Chr. Dies ist das Jahr, in dem Hadrian nach Britannien kam. Die Arbeit dauerte mindestens 60 Jahre, bis sie abgeschlossen war.[8] Ursprünglich sollte er aus Stein oder Turf gebaut werden. Alle 1,3 km (eine römische Meile) sollte ein bewachtes Tor entstehen, das eine Unterkunft für die Soldaten bildete, welche die jeweiligen Tore bewachten. Zwischen den Toren befanden sich zwei Aussichtstürme. Der Wall wurde durch einen tiefen Graben auf der Nordseite verstärkt. Bevor sie mit dem Bau fertig waren, wurden jedoch weitere 14 Festungen hinzugefügt.[9] Der imposante Wall ist fast 3m breit und teilweise 4m hoch.[10]
Gebaut wurde der Hadrianswall von der Army of Britain, was von vielen Inschriften belegt wird. Hauptsächlich arbeiteten drei Legionen der Infanterie daran, jeweils eine Legion bestand aus etwa 5000 Soldaten. Unterstützt wurden sie dabei von der Hilfseinheit.[11]
Aber welchen Zweck sollte der Wall eigentlich erfüllen? Bei der Beschreibung des Aufbaus denkt man schnell an eine „Kampflinie“. Aber das muss nicht unbedingt die Intention dahinter gewesen sein. Sebastian Kühn argumentiert, dass es sich bei dem Wall um ein Training der römischen Soldaten handelte, damit diese während Friedenszeiten nicht aus der Übung kamen. Ihr körperliches Training war durch den Bau gesichert und später war Kommunikation eine wichtige Fertigkeit. Die Soldaten in den Festungen mussten informiert werden, wenn in den Wachtürmen etwas entdeckt wurde. Das musste innerhalb kürzester Zeit geschehen, damit nötige Maßnahmen getroffen werden konnten. Des Weiteren diente es als eine Art Grenzkontrolle. Händler, die das Reich betreten wollten, mussten Abgaben machen und wurden auf mögliche Waffen kontrolliert. Somit wurde die Wirtschaft unterstützt und gleichzeitig die Sicherheit der Bevölkerung gewährleistet.[12]
Nachdem die Römer Britannien verlassen hatten und der Wall nicht länger in Benutzung war, verwendeten die Anwohner die großen Steine zum Bau von Schlössern, Kirchen oder auch für ihre Farmhäuser.[13] Eine dieser Kirchen, die Lanercost Priory ist etwa 8km von dem Museum des Hadrianswalls entfernt. Die Grenzbefestigung eignet sich ideal für einen Ausflug für die ganze Familie. In dem dazugehörigen Museum können Interessierte sich weiterführend informieren. Es werden zudem verschiedene Stationen angeboten, an denen die Besucher sich unter anderem darin erproben können, aus kleinen ‚Klötzen‘ selbst einen Wall zu bauen. Anschließend können die Touristen sich in dem kleinen Café des angrenzenden Gebäudes der Kirche stärken mit Mahlzeiten aus der traditionellen englischen Küche.
[1] Der Hadrianswall: Römische Grenze zwischen Schottland & England, in: Weltkulturerbe.com, URL: https://www.weltkulturerbe.com/europa/vereinigtes-koenigreich/hadrianswall.html (letzter Zugriff am: 07.01.20).
[2] Breeze, David: History of Hadrian’s Wall, in: English Heritage.org.uk, URL: https://www.english-heritage.org.uk/visit/places/hadrians-wall/hadrians-wall-history-and-stories/history/ (letzter Zugriff am: 07.01.20).
[3] Hingley, Richard: Hadrian’s Wall: A Live, Oxford 2012, S. 14f.
[4] Breeze, David: History of Hadrian’s Wall, in: English Heritage
[5] Hingley, Richard: Hadrian’s Wall: A Live, Oxford 2012, S. 16.
[6] Vgl. Breeze, David: History of Hadrian’s Wall, in: English Heritage
[7] Glendinning, D.: The Ilam pan, in: British History, URL: http://www.romanplaces.eu/home/chapter-9 (letzter Zugriff am: 07.01.20).
[8] Breeze: History of Hadrian’s Wall, in: English Heritage
[9] Breeze, Daivd: History of Hadrian’s Wall, in: English Heritage
[10] Kühn, Sebastian: Der Hadrianswall – eine römische Meisterleistung, in: Antike Welt, URL: http://www.antikewelt.de/der-hadrianswall-eine-romische-meisterleistung/ (letzter Zugriff am: 07.01.20).
[11] Breeze, Daivd: History of Hadrian’s Wall, in: English Heritage
[12] Kühn, Sebastian: Der Hadrianswall – eine römische Meisterleistung, in: Antike Welt
[13] Breeze, Daivd: History of Hadrian’s Wall, in: English Heritage