
Im kleinen, hessischen Ort Lorsch an der Bergstraße kann man als Besucher kostenlos die Überreste des Klosters betrachten. Was heute unauffällig auf dem Grashügel steht, war im Mittelalter eines der einflussreichsten Klöster des Reiches. Besonders sehenswert ist die komplett erhaltene Tor- bzw. Königshalle, in der man noch karolingische Wandmalerei sehen kann, wie bspw. einige in den Mörtel gemalte Buchstaben und Engel.[1] Die Königshalle kann man jedoch nur mit Führung ansehen.[2] Das Kloster ist eines der wenigen noch original erhaltenen Beispiele karolingischer Baukunst und wurde 764 während der Regentschaft König Pippins gegründet, weshalb es auch seit 1991 Unesco-Weltkulturerbestätte ist.[3]
772 kam es auch in den Besitz Karl des Großen.[4] Besonders zwischen dem 9. Und 11. Jahrhundert genoss das Kloster hohes Ansehen und spielte eine entscheidende Rolle in der Welt des Mittelalters; Schriften des Lorscher Klosters – besonders zu Heilmitteln[5] – wurden damals intensiv gelesen. Sogar einige Könige des ostkarolingischen Reiches wurden im Kloster Lorsch bestattet.[6] Im Nibelungenlied wird – neben einigen anderen Orten an der Bergstraße – auch das Kloster erwähnt, unter anderem als Begräbnisort Siegfrieds.[7] Zu diesem Ruhm des Klosters kam es durch die Überführung der Nazarius-Relique aus Rom in das Kloster, was es schlagartig zu einer beliebten Pilgerstätte machte.[8] Auch machtpolitisch wirkte das Kloster Lorsch mit und wehrte sich gegen seine Bevormundung durch das Bistum Mainz und Heinrich IV und baute daher die Starkenburg in Heppenheim. Das Kloster wurde schließlich während der Reformation aufgelöst und schließlich im Dreißigjährigen Krieg zerstört.
Neben dem Klosterareal gibt es auch ein Museumszentrum, in dem man sich seit 1995 eingehend mit der Klostergeschichte befassen kann, eine Zehntscheune in der archäologische Funde ausgestellt sind und das Freilichtlabor Lauresham, das einem karolingischen Dorf nachempfunden wurde und in dem man seit 2014 einen Eindruck karolingischen Lebens erhalten kann.[9]
[1] Scholz, Sebastian: Karolingische Buchstaben in der Lorscher Torhalle. Versuch Einer Paläographischen Einordnung, In: Giersiepen, Helga (Hrsg.): Inschriften bis 1300. Probleme und Aufgaben ihrer Erforschung, Wiesbaden 1995, S. 103-123.
[2] Siehe hierzu https://www.kloster-lorsch.de/klosterlorsch/ (letzter Zugriff am 13.01.2020) -dort findet man auch einen Überblick über alle Führungen – sowie https://lorsch.de/de/kultur/weltkulturerbe.php (letzter Zugriff am 13.01.2020).
[3] 2015 erhielt das Kloster sogar den Deutschen Landschaftsarchitekturpreis, siehe hierzu: https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/das-neue-welterbe-areal-kloster-lorsch-oeffnet-seine-tore-2581/ (letzter Zugriff am 13.01.2020).
[4] https://www.kloster-lorsch.de/klosterlorsch/ (letzter Zugriff am 13.01.2020).
[5] Besonders berühmt war das Lorscher Arzneimittelbuch, was heute zu den Unesco-Weltdokumentenerbe zählt, mehr dazu hier: https://www.unesco.de/kultur-und-natur/weltdokumentenerbe/weltdokumentenerbe-deutschland/lorscher-arzneibuch (letzter Zugriff am 13.01.2020).
[6] https://www.unesco.de/kultur-und-natur/welterbe/welterbe-deutschland/kloster-lorsch (letzter Zugriff am 13.01.2020).
[7] Siehe https://www.kloster-lorsch.de/klosterlorsch/ (letzter Zugriff am 13.01.2020) sowie Hochbruck, Wolfgang: Die Verbindungen des Klosters Lorsch zum Nibelungenlied, In: Geschichtsblätter Kreis Bergstraße 17 (1984), S. 41-50 und https://www.kreis-bergstrasse.de/staticsite/staticsite.php?menuid=154&topmenu=56 (letzter Zugriff am 13.01.2020).
[8] https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/das-neue-welterbe-areal-kloster-lorsch-oeffnet-seine-tore-2581/ (letzter Zugriff am 13.01.2020).
[9] https://www.kloster-lorsch.de/klosterlorsch/ (letzter Zugriff am 13.01.2020).


